Studie: 59%ige Reduktion von CIN2+ durch prophylaktische HPV-Impfung1

June 20, 2021

Hintergrund

Seit der Entwicklung der Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) im Jahr 2006 haben die Programme zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs erhebliche Veränderungen erfahren. Die meisten europäischen Länder haben HPV-Tests in ihre Screeningalgorithmen aufgenommen. In Deutschland wird Frauen ab 35 Jahren seit 2020 alle drei Jahre neben der zytologischen Untersuchung ein HPV-Test angeboten.

Das primäre Ziel aller Gebärmutterhalskrebs-Früherkennungsprogramme ist die Identifizierung von Frauen mit hochgradiger zervikaler intraepithelialer Neoplasie (CIN) oder hochgradigen Plattenepithelläsionen (HSIL), die die unmittelbaren Vorläuferläsionen des invasiven Gebärmutterhalskrebses darstellen. Bei diesen Frauen werden die präneoplastischen zervikalen Läsionen in der Regel mittels einer Exzisionsoperation entfernt. Trotz diesem präventiven Eingriff erleiden bis zu 8 % der Frauen mit Konisation aufgrund von hochgradiger CIN ein Rezidiv. Nicht nur das Risiko der Erkrankung an einem Zervix- oder Vaginalkarzinom, sondern auch die Sterblichkeit ist erhöht.

In den letzten Jahren wurden in der Erforschung der therapeutischen HPV-Impfung zur Behandlung bestehender HPV-bedingter Erkrankungen enorme Anstrengungen unternommen. Allerdings wird es bis zur Einführung der ersten therapeutischen HPV-Impfstoffe noch einige Jahre dauern. Eine weitere präventive Option für Frauen, die bereits mittels Konisation behandelt wurden, könnte daher die HPV-Impfung kurz vor oder nach der Behandlung sein, mit der neue oder wiederauftretende Infektionen wie in einer HPV-naiven Umgebung verhindert werden können.

Ergebnisse

Die gesamte Studienpopulation umfasste 21’059 Patienten (3’939 Impfungen vs. 17’150 Kontrollpersonen) mit einem Höchstalter von 65 Jahren. Die Metaanalyse zeigte, dass das allgemeine Risiko für die Entwicklung einer neuen oder persistierenden CIN2 + nach Konisation um 59 % zurückging. Ausgehend davon, dass in Deutschland ca. 52’600 Konisationen pro Jahr vorgenommen werden, sowie von der errechneten Rezidivrate von 5,3 % würde man ca. 2’790 Fälle von rezidivierenden hochgradigen CIN erwarten. Eine zusätzliche prophylaktische Impfung, die nach der Konisation verabreicht wird, könnte diese Zahl auf etwa 1’630 Fälle gesenkt werden. Dies würde dazu beitragen, bei etwa 1’160 Frauen pro Jahr längere Arztbesuche für Koloskopien, psychischen Stress und möglicherweise sogar Fälle von invasivem Krebs nach einer Konisation zu verhindern. Bei einer Einschränkung der Analyse auf die vom HPV-Impfstoff anvisierten Genotypen 16 und 18 ist diese protektive Wirkung mit einer Risikoreduktion um 63 % am deutlichsten ausgeprägt.

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Adaptiert nach Jentschke M et al, 2020.1

Die Studienergebnisse haben eine signifikante Risikoreduktion für die Entwicklung neuer hochgradiger intraepithelialer Läsionen nach der HPV-Impfung aufgezeigt (relatives Risiko (RR) 0,41; 95-%-KI [0,27; 0,64]), unabhängig vom HPV-Typ. Die Metaanalyse belegte eine signifikante Risikoreduktion für die Entwicklung einer rezidivierenden zervikalen intraepithelialen Neoplasie nach einer chirurgischen Exzision und HPV-Impfung im Vergleich zur chirurgischen Exzision allein.

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Referenzen:
  1. M. Jentschke, J. Kampers, J. Becker, P. Sibbertsen, P. Hillemanns, Prophylactic HPV vaccination after conization: A systematic review and meta-analysis, Vaccine, Volume 38, Issue 41, 2020, Pages 6402-6409, https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2020.07.055, eingesehen am 12.06.2021
  2. Schweizerischer Impfplan 2021. Bundesamt für Gesundheit und Eidgenössische Kommission für Impffragen. Richtlinien und Empfehlungen, Stand 2021.
  3. https://www.msd.ch/static/pdf/HPV-Impfprogramm-der-Kantone.pdf, eingesehen 12.06.2021.
  4. WHO Global Vaccines Safety: Safety Update on HPV vaccines. http://www.who.int/vaccine_safety/committee/topics/hpv/June_2017/en, eingesehen 12.06.2021.
  5. Bundesamt für Gesundheit, Factsheet «HPV-bedingte Krebserkrankungen und Genitalwarzen», Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF). Stand Juli 2019.
  6. Fachinformation Gardasil 9®, www.swissmedicinfo.ch

Kopien der hier erwähnten Publikationen können bei Bedarf unter dpoc_switzerland@merck.com angefragt werden.

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Gardasil® 9 (nonavalenter HPV-Impfstoff). W: L1 Protein der HPV-Typen 6,11,16,18,31,33,45,52,58. I: Im Alter 9-26J zur Prävention von Zervix-, Vulva-, Vaginal- und Analkarzinomen, prämalignen Läsionen von Zervix, Vulva, Vagina und Anus sowie von Genitalwarzen. D: 3 Dosen in Monat 0, 2, 6. Alternativ im Alter 9-14J: 2 Dosen in Monaten 0 und 5-13. KI: Überempfindlichkeit gegenüber Wirk-/Hilfsstoffen. Verschiebung bei akuter, schwerer, fieberhafter Erkrankung. WH: Selten anaphylaktische Reaktion, Synkopen möglich, keine therapeutische Wirkung, kein Ersatz für Gebärmutterhalskrebsvorsorge, allenfalls keine Immunantwort bei eingeschränkter Immunfunktion, Vorsicht bei Thrombozytopenie oder anderer Blutgerinnungsstörung. DDI: Keine bekannt/nicht untersucht. S/S: Keine Hinweise auf unerwünschte Wirkung, aber bei Schwangerschaft nicht empfohlen; während Stillzeit möglich. UAW: Sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle (Erythem, Schmerz, Schwellung), Kopfschmerzen. P: Fertigspritze 0,5ml. AK: B. Z: MSD Merck Sharp & Dohme AG, Werftestrasse 4, Luzern, Schweiz. (V4) CH-GSL-00015.

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