HPV betrifft beide Geschlechter

June 9, 2020

In Bezug auf HPV-Infektionen bei Buben und Männern sind zwei Punkte von Bedeutung: Die Krankheitslast bei Buben und Männern und das Übertragungsrisiko auf Mädchen und Frauen.

Humane Papillomaviren (HPV) sind bei Buben und Männern mit dem Auftreten von Karzinomen wie Analkarzinomen, Penis- oder oralen Karzinomen assoziiert.1 Die schwerwiegendste klinische Konsequenz der HPV-Infektion bei Mädchen und Frauen ist der Gebärmutterhalskrebs. Dieser ist gemäss WHO weltweit der vierthäufigste Krebs bei Frauen. Eine Schätzung von 2012 ergab für jenes Jahr 266’000 Todesfälle aufgrund von Gebärmutterhalskrebs und 528’000 Neuerkrankungen.2

Mehr als 30% aller HPV-assoziierten Karzinome werden beim Mann diagnostiziert.3 Condylomata acuminata (Genitalwarzen) kommen bei Männern gleich häufig wie bei Frauen vor.4 Diese Läsionen werden hauptsächlich von HPV 6 oder HPV 11 verursacht und sind mit psychosozialen Stigmata, Depressionen und einer geringeren Lebensqualität assoziiert.5 Die Behandlung dieser Warzen erfordert oftmals multiple Therapien sowie zahlreiche medizinische Konsultationen. Die Behandlung kann demnach kostenintensiv sein, die Warzen können zudem rezidivieren.6 Die Inzidenz von Genitalwarzen ist in der Schweizer Bevölkerung hoch, mit geschätzt 25’000 neuen Fällen jährlich.7

Risiko der Übertragung von HPV

Neben der Krankheitslast (burden of disease) der HPV-Infektion bei Buben und Männern besteht die Gefahr der Übertragung an Mädchen und Frauen. Es wurde festgestellt, dass Ehemänner von Frauen mit Gebärmutterhalskrebs eine höhere Prävalenz von HPV-Infektionen aufweisen als Ehemänner von Frauen aus einer Kontrollgruppe.8

Möglicher Zusammenhang von HPV und Lungenkrebs

Eine aktuelle Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang von HPV mit Lungenkrebs. Die Studie kam zu den Ergebnissen, dass bei Patienten mit Lungenkarzinom im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höhere Raten einer HPV-Infektion festgestellt wurden. Besonders hoch waren dabei die Raten an Patienten mit einer HPV-16- (OR: 3,14; 95 %-KI: 2,07–4,76) und HPV-18-Infektion (OR: 2,25; 95 %-KI: 1,49–3,40). HPV-Infektionsraten waren bei Patienten mit Lungenkrebs bei beiden Geschlechtern signifikant höher als in der Kontrollgruppe.9

Fazit

Die Impfung von Jungen und Männern kann nicht nur die Übertragung von HPV an Frauen verhindern, sondern auch zu einer Prävention von HPV-bedingten Erkrankungen beim Mann beitragen.


Bibliographie:
  1. Palefsky JM, J Adolesc Health. 2010 Apr; 46(4 Suppl): 12–19. doi: 10.1016/j.jadoealth.2010.01.010
  2. World Health Organzation. Viral Cancers. http://www.who.int/vaccine_research/diseases/viral_cancers/en/print.html
  3. Crosignani et al. BMC Public Health, 2013; 13:642
  4. BAG Bulletin 3 vom 15. Januar 2018. Die HPV-Impfung ist wirksam und sicher
  5. Drolet et al. Sexually Transmitted Diseases, 2011; 38(19): 949-56
  6. Garland et al. The Journal of Infectious Diseases, 2009; 199:805–14
  7. BAG Bulletin 10 2. März 2015. HPV-Impfung: ergänzende Impfempfehlung für Jungen und Männer im Alter von 11 bis 26 Jahren
  8. Francheschi et al., Br J Cancer. 2002 ; 86 : 705-11
  9. Xiong WM et al., Oncotarget. 2017 ; 8(56) : 96419-32